Shooting mit den Baxxter Boys, der Band der lieben Tepe. Auf der Bühne hatte ich sie schon vor der Linse, diesmal also raus aus dem Konzertnebel und rein in die freie Wildbahn. Sechs Menschen, ein Fotograf, eine Praktikantin, sehr viele Akkus und dieser dezente Verdacht, dass das Wetter beschlossen hatte, uns persönlich zu grillen.
Ich war ein bisschen nervös. Hatte ich so noch nie gemacht. Also erst mal Ausrüstung gecheckt, was bei mir ungefähr bedeutet: alles auf den Boden legen, feststellen, dass es objektiv zu viel ist, und dann trotzdem fast alles einpacken. Ich glaube, ich habe ein Suchtproblem.
WTF ich habe eine Praktikantin?
Neu war auch, dass ich sozusagen eine Praktikantin dabei hatte: Spitzname Komma 1
, bürgerlich Verena. Ich habe ihr die zweite Kamera in die Hand gedrückt, und sie hat ein schönes Making-of des ganzen Wahnsinns gebaut. Ich sehe mich selten auf Bildern. Ich habe ja viel Geld ausgegeben, um HINTER der Kamera zu stehen. Deshalb war es durchaus interessant zu lernen, welche Yoga-Posen ich beim Fotografieren offenbar automatisch einnehme.
Erste wichtige Erkenntnis des Tages: Es war heiß. Nicht einfach warm, nicht „ach, Sommer halt“, sondern so heiß, dass die Speicherkarte in der Kamera vermutlich nur noch glühende Lava war und der Autofokus kleine Hitzeflimmer-Halluzinationen gesehen hat.
Chapel, Licht und Demut
Gestartet haben wir in der Chapel. Dort war ich schon für Konzertfotografie, aber es ist etwas anderes, den Laden mal für sich zu haben. Angenehm kühl war es auch. Kurz. Dafür dunkel. Ich habe diverse Experimente mit Blitzen gemacht und musste irgendwann einsehen: Mir fehlt da noch Erfahrung. Vielleicht lerne ich das auch noch. Irgendwann. Wenn ich erwachsen bin.
Also Bühnenlicht an, erste Fotos geschossen, erste Schweißperlen gesammelt. Mit Bühnenlicht wurde es nämlich auch drinnen sehr schnell wieder warm. Nicht „ich ziehe mal die Jacke aus“-warm, sondern „warum riecht es hier schon wieder wie im Moshpit?“-warm.
Um den Moment hinauszuzögern, in dem wir wirklich raus in die Hitze mussten, haben wir noch alle möglichen anderen Locations im Haus ausprobiert. Treppen, Ecken, Türen, Wände, Licht aus der Hand, LED-Gebastel, alles einmal durch. Licht war dabei ständig Thema. Mal zu wenig, mal komisch, mal eigentlich gut, aber nur, wenn alle exakt da standen, wo natürlich niemand stehen blieb.
Raus in den Toaster
Dann schwitzten wir geschlossen zur nächsten Location. Es ging raus, und der erste Programmpunkt war nicht kreativ, sondern biologisch: Schatten suchen. Unter Brücken und in Unterführungen wurde das Licht plötzlich weniger problematisch. Dafür schaffte ich es trotzdem, ein paar unscharfe Fotos zu produzieren, was mich nervt. Beim Fisheye mit manuellem Fokus: geschenkt. Beim Rest: eher ein freundlicher Hinweis des Universums, dass Routine nicht im Kamerarucksack liegt.
Der Flohhaufen von Band hat seinen Teil beigetragen. Sechs Menschen gleichzeitig gut aussehen zu lassen ist ein Gruppensport mit erhöhtem Frustrationspotential. Einer lacht, einer blinzelt, einer schaut gerade in eine andere Zeitzone, und einer hat den Gesichtsausdruck eines Menschen, der innerlich mit der Verdauung verhandelt. Wenigstens sind alle fotogen. Das ist bei solchen Aktionen ein erheblicher Bugfix.
Skaterpark, Hit and Hope
Letzte Location: Skaterpark. Da war ich kurz eher in meinem Element. Drummer mit Scooter-Tricks, Graffiti, Beton, Bewegung, alles schön unordentlich. Irgendwann waren aber alle am Ende der Kräfte: Fotograf, Band, Praktikantin. Immer noch heiß. Die Kamera hätte wahrscheinlich weitergemacht. Ich bin immer wieder fasziniert, wie lange so ein Akku hält. Und Speicherkarte hatte ich offenbar noch vor der Speicherkrise gekauft, da passt ordentlich was drauf.
Bei der Arbeit mit der Band habe ich außerdem gelernt: Man muss als Fotograf selbst gute Laune haben, um die Leute bei so einem Shooting in Stimmung zu halten. Statt die gleiche Pose fünfzehnmal zu wiederholen und „du da den Kopf fünf Zentimeter nach links, nein dein anderes links“ zu rufen, funktioniert manchmal das aus dem Billard bewährte Prinzip: Hit and Hope. Auslöser gedrückt halten, zu Hause prüfen, was das Schicksal geliefert hat.
Der Rechner schwitzt mit
Zu Hause lagen dann mehrere tausend Fotos aus zwei Kameras. Also der übliche Prozess: aussortieren, RAW-Processing mit Darktable, noch mal aussortieren, zweifeln, Kaffee, wieder aussortieren. Mit sechs Leuten im Bild ist es wirklich sportlich, dass alle die Augen offen haben und niemand gerade so schaut, als würde im Hintergrund ein Steuerbescheid vorgelesen.
Ich habe dabei schon etwas mit Farben gespielt. Schließlich geht es um eine Punkband, und viele Hintergründe waren auch bunt: Graffiti, Klamotten, Aufkleber, kleine optische Stromschläge. In letzter Zeit wage ich mich außerdem immer wieder an Gimp, also kam das auch zum Einsatz. Nicht einfach, alle Gesichter ähnlich hell zu bekommen. Gimp macht das. Dachte ich. Ich muss noch viel lernen, aber ich glaube, in den meisten Bildern ist es subtil genug geworden.
Dann ging der große Spaß los. Vorneweg: Es war die nächsten Tage immer noch heiß. Keine gute Idee, viel vor dem Computer zu sitzen. Noch schlechtere Idee: den Computer auf Volllast betreiben, weil ich meine neue Image-Pipeline ausgetestet habe. GMIC, ImageMagick und Konsorten durften gescripted auf die Bilder los. Ich mag das sehr, weil man viel ausprobieren kann und kreativ bleibt. Man schwitzt nur eben mit. Auch wenn der Rechner ordentlich Power hat, dauert das ewig.
Kameramann, bitteschön
Hier gibt es nur einen kleinen Teil der Bilder zu sehen. Der Rest wird nach und nach auf Instagram bei den Baxxter Boys landen, also dort unbedingt folgen. Und natürlich auch @f12.rocks, wenn ihr sehen wollt, wie ich weiter versuche, aus Kameras, Hitze und Punk irgendwie Ordnung zu machen.
Die Baxxter Boys haben übrigens gerade wieder einen Song released. Das Ankündigungsvideo dafür haben wir während des Shootings gedreht. Ich schreibe mir damit ganz stolz „Kameramann“ in den Lebenslauf. 😎
Fazit mit verschwitztem Zeigefinger
Kreativität kommt bei so einem Shooting schnell ans Limit. Hart ist der Moment, wenn sechs Augenpaare einen anschauen und fragen: „Was jetzt?“ Und innen drin sortierst du hektisch, was ihr schon hattet, durchwühlst die virtuelle Ideenkiste und checkst nebenbei Location, Licht, Ausrüstung, Schatten, Akkustand und ob dein T-Shirt noch offiziell als Textil gilt.
Ich mache das gerne. Wirklich. Aber ich will es nicht beruflich machen. Und glaubt einfach, dass Fotografen ihr Geld wert sind, wenn ihr einen bucht. Das ist nicht nur jemand mit Kamera und Zeigefinger. Das ist jemand, der versucht, Technik, Menschen, Stimmung, Licht, Timing und 34 Grad Restwürde gleichzeitig zu bedienen. 🤘📷